“Draußen in der großen Weite die Freiheit atmen”

30.05.2015 - aus der Serie „Grenzgänger“ von Michael Weber-Schwarz Heimberg.    Der   Mayer-Hof   im   Niederstettener   Ortsteil   Heimberg   ist   gleich   in   zweierlei   Hinsicht   Grenzregion.   Bis   nach   Schrozberg   im   Haller Landkreis   sind   es   nur   ein   paar   Kilometer.   Die   Kreisgrenze   verläuft   ganz   in   der   Nähe   des   weitläufigen   Aussiedlerhofs.   Drei   Generationen   leben dort in verschiedenen Gebäudeteilen - aber doch familiär verbunden unter einem Dach. Großmutter   Else   Mayer   deutet   aus   ihrem   Esszimmerfenster   nach   Norden.   Jenseits   des   schmalen   Talbachs,   der   sich   zum   Wildentierbacher Stausee   hinunterschlängelt,   liegt   der   Hauptort   Heimberg   mit   seinen   rund   80   Einwohnern.   Am   Ortsende,   Niederstetten   zu,   liegt   die   zweite,   heute kaum   mehr   wahrnehmbare   Grenze:   die   Rothenburger   Landhege.   "Früher   stand   dort   ein   Landturm",   weiß   Else   Mayer.   Wahrscheinlich   glich   er dem   heute   noch   imposanten   Bauwerk   bei   Creglingen-Lichtel.   Doch   vom   Heimberger   Turm   sind   nur   noch   die   Fundamente   drunten   im   Erdreich erhalten geblieben. Die   Landhege   und   ihre   neun   Türme   schützten   im   späten   Mittelalter   das   Eigentum   von   Rothenburg.   Von   Kleinadeligen   der   Umgebung   hatte   die Stadt   das   Territorium   mit   damals   163   Ortschaften   und   40   Burgen   erworben.   Die   Wall-   und   Grabengrenze   sollte   Überfälle   und   Plünderungen verhindern. Vielerorts sind die historischen Gräben noch zu sehen. Für   die   Familie   Mayer   ist   die   moderne   Verwaltungsgrenze   durchaus   lebensbestimmend.   Der   Telefonanschluss   führt   zum   Haller   Dorf   Spielbach, Hachtels   Verwaltungs-   und   Schulort   ist   Niederstetten.   Zm   Einkaufen   liegt   Schrozberg   am   nächsten.   Bankgeschäfte   und   Arztbesuche   werden   im Vorbachtal absolviert. Und das Mittelzentrum Rothenburg liegt gerade mal zwölf Kilometer weit. Seit einem halben Jahrhundert Im   Jahr   1965   begründeten   die   Mayers   ihre   Landwirtschaft.   Else   Mayer   stammt   aus   dem   nahen   Hachtel,   ihr   Mann   Dieter   aus   dem   Raum Heilbronn.   Für   ihre   Kinder   bedeutete   die   abseitige   Lage   lange   Schulwege,   die   im   Winter   immer   wieder   unpassierbar   waren.   Auch   Enkel   Sebastian musste   zu   Schul-Zeiten   um   kurz   nach   6   Uhr   an   der   Bushaltestelle   sein.   Als   er,   wie   früher   seine   Tante,   in   Weikersheim   aufs   Gymnasium   ging,   hieß es sogar noch einmal umsteigen: am Niederstettener Bahnhof. Zurzeit   macht   Sebastian   Mayer   -   er   ist   der   Dritte   von   sechs   Geschwistern   -   eine   Ausbildung   in   der   Niederstettener   Kommunalverwaltung.   Nicht mehr    ganz    so    weit    fahren    also    -    und    seine    Freizeit    nutzt    der    19-Jährige    für    ein    ganz    besonderes    Steckenpferd,    das    in    seinem    Fall    eine südamerikanische Kamelart ist. Die Familien Linder-Mönch (Hachtel) und Mayer betreiben zusammen den "Hohenloher Alpakahof". Sebastian    hatte    vor    einigen    Jahren    einen    Fernsehbeitrag    über    die    Tiere    gesehen    und    war    begeistert.    Außerdem    kannte    er    Züchter    bei Rothenburg.   "Das   scheue   Wesen   und   das   Aussehen   haben   mir   gefallen",   sagt   er   und   lacht,   "und   ich   bin   ja   auch   eher   ein   ruhiger   Typ."   Weil   die Rinderzucht   früherer   Tage   aufgegeben   wurde,   suchten   die   Familien   nach   einer   Weiternutzung   ihrer   Grünflächen.   Sebastian   setzte   sich   mit   der Alpaka-Idee   durch.   Und   obwohl   die   Tiere   mit   ihren   charakteristischen   "Frisuren"   zum   Streicheln   förmlich   einladen,   sind   sie   echte   Nutztiere.   Die Familien vermarkten die hochwertige, wärmehaltende Wolle. Südamerika in Hohenlohe "Wir   leben   gerne   auf   dem   Dorf",   ist   sich   Sebastian   mit   seinen   Großeltern   einig.   Wenn   man   vom   Hof   in   die   grüne   Gegend   mit   ihren   Äckern   und Wäldern blickt, stellen sich schnell Urlaubsgefühle ein. "Und ein bisschen Südamerika habt Ihr ja auch noch",witzelten einmal Bekannte. Normalerweise   leben   Alpakas   in   den   Anden   in   tausenden   Metern   Höhe.   Mit   ein   paar   hundert   sind   sie   aber   auch   zufrieden:   Die   elf   Tiere   fühlen sich   offensichtlich   wohl   in   Hohenlohe   und   sind   einem   schnellen   Spaziergang   zur   nächsten   Weide   nicht   abgeneigt,   wenn   sie   denn   dem   Gatter einmal entkommen. Etwas   geordneter   muss   es   auf   den   Trekkingtouren   in   die   nähere   Umgebung   laufen,   die   der   Alpakahof   anbietet   (Näheres   unter   www.hohenloher- alpakahof.de).    Das    Tal    hinunter    zum    Stausee    und    drum    herum:    Alltagsstress    ist    auf    einer    solchen    Wanderung    durch    die    wunderschöne Landschaft schnell vergessen. Der   Mayer-Hof   ist   mit   solchen   Aktionen   ein   Spiegelbild   von   (möglichen)   Entwicklungen   in   der   Landwirtschaft.   Begonnen   hat   alles   vor   einem halben   Jahrhundert   mit   einem   konventionellen   Betrieb,   13   Hektar   Land,   sieben   Kühen   und   zehn   Mutterschweinen   für   die   Ferkelproduktion. Heute   sind   es   75   Hektar   geworden.   Rinder   gibt   es   keine   mehr,   die   Produktion   läuft   mit   200   Muttersauen.   Weil   aber   die   Schere   zwischen Arbeitseinsatz   und   Lohn   immer   noch   klafft,   sind   weitere   Standbeine   kein   Luxus,   sondern   Notwendigkeit   -   auch   wenn   sie   (dem   Alpaka   in   die dunklen Kugelaugen geblickt) eine schöne Notwendigkeit ist. Leben   an   der   Grenze:   Sebastian   Mayer   kann   sie   mit   seinen   Tieren   in   die   Weite   hinaus   überschreiten   und   dabei   Freiheit   atmen.   Sein   Bruder   lebt   in einer   Wohnung   mitten   in   Würzburg.   "Wenn   ich   dort   auf   die   große   Hauptstraße   hinunterschaue,   dann   weiß   ich:   da   könnte   ich   wahrscheinlich nicht wohnen." © Fränkische Nachrichten, Michael Weber-Schwarz

 

 

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